Johanna Haarer (2): Wie ihr Nazi-Ratgeber nach 1945 Familien beeinflusste (mit Christiane Jochum)


Nach Teil 1 (Haarer im Nationalsozialismus) schauen wir in Teil 2 auf die Bundesrepublik: Warum verschwand „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ nach 1945 nicht, sondern kam als „Die Mutter und ihr erstes Kind“ wieder – bis zur letzten Auflage 1987? Christiane Jochum erklärt Rechtehandel, Verlagslogik und Entschärfungen im Text (ohne den Kern zu ändern): Härte statt Trost, Autoritätsgläubigkeit ohne Quellen, „Affenliebe“, Reinigkeitswahn und das Prinzip „werde hart“. Wir sprechen über biografische Brüche (Internierung, Familie) und darüber, wie sich solche Muster als sprachloses Erbe in Familien und Institutionen halten – trotz einzelner „richtiger“ Tipps im Buch.

Johanna Haarer: Der Nazi-Ratgeber, der Familien prägte – und weiter prägt (mit Christiane Jochum)


In dieser Bartocast-Folge spreche ich mit der Journalistin Christiane Jochum über Johanna Haarer und ihren Erziehungsratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ (1934). Warum wurde das Buch im Nationalsozialismus zum Kassenschlager – und warum blieb es nach 1945 unter neuem Titel noch jahrzehntelang im Umlauf? Wir schauen auf Haarers Biografie (Ärztin, aber keine Kinderärztin), ihre Nähe zum NS-System und auf die Sprache ihres Buches: militärische Metaphern, Härte als Tugend, Abwertung von Zärtlichkeit, Schreienlassen, „Ruhigstellen“ nach der Geburt – und eine Erziehung, die Bindung eher verhindert als stärkt. Gleichzeitig bot der Ratgeber extrem konkrete, alltagstaugliche Anleitung (Pflege, Ernährung, Wickeln) und traf damit die Unsicherheit junger Eltern. Diese Mischung aus „nützlichen Tipps“ und Ideologie erklärt viel von der Wirkung – und davon, warum manche Sätze bis heute in Familien weitergetragen werden. Teil 2 folgt: Haarer nach 1945 und die Nachwirkung ihres Buches.