Pseudoarchäologie in Ägypten: Thot, Atlantis und die Cheops-Pyramide als Kraftwerk? (mit Roxane Bicker)

Thot soll uraltes Geheimwissen hinterlassen haben. Atlantis soll hinter den Smaragdtafeln stecken. Ägyptische Königslisten sollen Herrscher aus einer Zeit vor der Sintflut nennen. Und die Cheops-Pyramide? War angeblich gar kein Grab, sondern vielleicht ein gigantisches Kraftwerk.

In ihrer zweiten BartoCast-Folge geht Ägyptologin Roxane Bicker mit Sebastian Bartoschek dorthin, wo Ägyptologie auf Para- und Pseudoarchäologie trifft.

Woher stammt das „Buch des Thot“ tatsächlich? Wie wurden Thot und Hermes Trismegistos miteinander verbunden? Wann kamen die Tabula Smaragdina und schließlich Atlantis ins Spiel? Und was haben ägyptische Überlieferungen über göttliche Herrscher wirklich mit angeblichen vorsintflutlichen Hochkulturen zu tun?

Anschließend geht es um die Cheops-Pyramide selbst: Sarkophag, fehlende Pyramidentexte, Bauinschriften, Arbeitermannschaften und die Entwicklung des Pyramidenbaus. Schließlich steht die These vom „Pyramiden-Kraftwerk“ auf dem Prüfstand – einschließlich Großer Galerie, Wasser- und Schlammspuren und Stefan Erdmanns Untersuchungen.

Eine Folge über Pyramidenmythen, Quellenkritik und die Frage, warum die Wirklichkeit des Alten Ägypten häufig wesentlich interessanter ist als die Geschichten, die die Pseudoarchäologie daraus macht.

What’s in the Box 3 – Donnerkeil und Demokratie

Ali bringt Sebastian einen Gegenstand mit, der aussieht wie das Ende eines versteinerten Blitzes. Genau dafür hielten Menschen solche Fossilien jahrhundertelang: Donnerkeile, Teufelsfinger, Geschosse der Götter. Tatsächlich liegt auf dem Tisch der versteinerte Rest eines Kopffüßers, der viele Millionen Jahre älter ist als jedes Mammut.

Das wäre für eine BartoCast-Folge bereits genug Material. Natürlich bleibt es nicht dabei.

Vom Donnerkeil geht es über Friedrich Merz, BlackRock und die Frage, was Spitzenmanager eigentlich den ganzen Tag machen, zur AfD und schließlich zu einer ziemlich grundsätzlichen Auseinandersetzung darüber, was Demokratie überhaupt schützen soll. Sebastian vergleicht sie mit einem Spiel, dessen Regeln akzeptiert werden müssen. Ali hält dagegen: Was passiert, wenn ein erheblicher Teil der Menschen ein anderes Spiel spielen will?

Es folgen Ostdeutschland, Gelsenkirchen, Nichtwähler, Familienwahlrecht, vorauseilender Gehorsam und die Frage, ob Demokratie eigentlich einen Wert an sich besitzt – oder nur deshalb, weil sie etwas anderes schützen soll. Zwischendurch werden Teile Deutschlands zu Renaturierungsgebieten erklärt.

Und irgendwann liegt da wieder dieser kleine Stein auf dem Tisch.

Vielleicht ist das der eigentliche Zusammenhang: Menschen finden Dinge, verstehen sie nicht und erzählen sich Geschichten darüber. Manchmal heißen sie Donnerkeile. Manchmal Politik.

Esoterik, Nazi-Ariosophie und Verschwörung – mit Dr. Nora Pösl

Was verbindet Ariosophie, Esoterik, alternative Heilmethoden und moderne Verschwörungsideologien? Dr. Nora Pösl forscht genau an diesen Schnittstellen. Wir sprechen über Blavatsky und die Wurzeln der Ariosophie, die Thule-Gesellschaft und den tatsächlichen Stellenwert okkulter Ideen im Nationalsozialismus. Wir schauen auf Mythen über Reichsflugscheiben und geheimes Wissen, auf die Geschichte des Heilpraktikerwesens und erstaunlich alte Muster der Impfgegnerschaft. Schließlich geht es ins Heute: zu Telegram-Netzwerken, TikTok, algorithmischer Spiritualität und der Frage, warum Esoterik und Verschwörungsglaube immer wieder zueinanderfinden. Ein Gespräch über Konspiritualität – und darüber, warum einfache Erklärungen oft so verführerisch sind.

Weiterlesen / erwähnt im Gespräch

Nora Feline Pösl: „Ariosophie, Antisemitismus, Konspiritualität“
Charlotte Ward & David Voas: „The Emergence of Conspirituality“
James Webb: „The Occult Underground“ / „The Occult Establishment“
Wouter J. Hanegraaff: Forschung zur westlichen Esoterik
Antoine Faivre: Arbeiten zur Geschichte der Esoterik

Stonehenge, Hippies und der Moment, in dem ich Katja verloren habe

Vier Tage Südengland. Stonehenge. Woodhenge. Avebury. Glastonbury. Salisbury. Die Magna Carta. Und zwischendurch immer wieder die Erkenntnis, dass man in England erstaunlich oft falsch abbiegen kann.

Es geht um Hippies, Wohnwagen, Patchouli, Druiden, nackte Menschen in einer Quelle, Kornkreise, den Heiligen Gral, englisches Frühstück, einen verschwundenen Autoschlüssel, verschwundene Laktasetabletten und darum, warum Katja bei der Orientierung leider erschreckend oft recht hat.

Wir laufen über uralte Kultplätze, stehen vor einer der vier erhaltenen Originalfassungen der Magna Carta, geraten in die wahrscheinlich esoterischste Kleinstadt Großbritanniens, diskutieren über Archäologie, Mythologie und Verschwörungserzählungen und treffen unterwegs auf alles Mögliche – nur selten auf das, womit wir eigentlich gerechnet haben. Irgendwo dazwischen verliere ich auf einem Feld fast die Nerven, weil ich überzeugt bin, meine Frau verloren zu haben.

Außerdem erfahrt ihr, warum ich Stonehenge unbedingt auch noch bei Sonnenuntergang sehen wollte, weshalb Glastonbury wirklich so schräg ist, wie alle behaupten, warum ich britisches Frühstück bis heute verteidige und wieso man manchmal einfach akzeptieren muss, dass die eigene Frau den besseren Orientierungssinn hat.

Ach ja – und falls ihr selbst mal hinfahrt, sind unterwegs auch ein paar ganz praktische Tipps dabei: wo sich Tickets lohnen, wo nicht, welche Orte man auf keinen Fall auslassen sollte und an welchen Stellen Google Maps erstaunlich kreativ wird.

Hat die Cheops-Pyramide wirklich acht Seiten? Ägyptologin Roxane Bicker klärt auf

In dieser Folge spricht Sebastian Bartoschek mit der Ägyptologin Roxane Bicker über die Faszination des Alten Ägypten – und über die Frage, ob die Cheops-Pyramide wirklich acht Seiten hat. Spoiler: Nein, jedenfalls nicht so, wie es in manchen Internet- und Präastronautik-Ecken gerne behauptet wird.

Roxane Bicker leitet hauptberuflich die Kulturvermittlung im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München, schreibt historische Phantastik und spricht gemeinsam mit Nora Heil im Podcast „Mummies & Magic“ über Altägypten in der Popkultur. Im Gespräch geht es um Pyramiden, Jenseitsvorstellungen, Pharaonen, ägyptische Götter, Kleopatra, die alten Ägypter als angebliche „Alien-Baumeister“, Erich von Däniken, Stargate, Museumsarbeit, Popkultur – und darum, warum das Alte Ägypten auch ohne Atlantis und Außerirdische spannend genug ist.

Außerdem erklärt Roxane, warum die berühmten Fotos von der angeblich achtseitigen Cheops-Pyramide täuschen können, was zerstörte Verkleidungssteine damit zu tun haben und warum es wichtig ist, den Menschen der Vergangenheit nicht ihre Fähigkeiten abzusprechen.

Links zur Folge:

Roxane Bicker

Podcast „Mummies & Magic – Altägypten in der Popkultur“

Mummies & Magic auf YouTube

Roxanes Buch „Die Herren des Schakals“

Staatliches Museum Ägyptischer Kunst München

Franck Monnier: „The so-called concave faces of the Great Pyramid: Facts and cognitive bias“

Kack- und Sachgeschichten: „Stargate & Präastronautik“ mit Mummies & Magic