Tartaria – das QAnon der Archäologie


Tartaria ist eine relativ neue Verschwörungserzählung aus dem Internet. Sie behauptet, ein technologisch überlegenes Weltreich sei im 19. Jahrhundert verschwunden – ausgelöscht durch eine „Schlammflut“ und anschließend aus der Geschichte getilgt. Im Gespräch geht es um Ursprung, Logik und Abgründe dieses Mythos.

Was ist die Tartaria-Verschwörung? Hinter Begriffen wie „Tartarian Empire“ oder „Mud Flood“ steckt eine pseudohistorische Theorie, die seit einigen Jahren vor allem auf YouTube und in sozialen Netzwerken verbreitet wird. Anhänger behaupten, bis ins 19. Jahrhundert habe ein technologisch hochentwickeltes Weltreich namens Tartaria existiert – dessen Geschichte später bewusst aus Archiven und Geschichtsbüchern gelöscht worden sei. Historiker sehen darin jedoch eine moderne Verschwörungserzählung, die aus missverstandenen alten Karten, Architektur-Mythen und pseudowissenschaftlichen Theorien entstanden ist. 

In dieser Folge spreche ich mit Patrick Frajtag darüber, woher diese Idee kommt, warum sie sich im Internet so schnell verbreitet hat und welche ideologischen Motive teilweise dahinterstehen.

Themen der Folge

  • Was genau behauptet die Tartaria-Verschwörung?
  • Warum taucht „Tartary“ auf alten Karten auf?
  • Die Mud-Flood-Theorie: eine globale Schlammflut
  • Warum historische Stadtfotos oft menschenleer wirken
  • Architektur-Mythen über Gründerzeit, Jugendstil und Art déco
  • Warum im 19. Jahrhundert so schnell gebaut wurde
  • Woher die Theorie ursprünglich kommt
  • Verbindungen zu russischer Pseudogeschichte und Esoterik
  • Antisemitische und rassistische Narrative in Teilen der Szene
  • Warum solche Mythen im Internet so erfolgreich sind

Zuschauerhinweise:

Das ikonische Bild der Arbeiter auf dem Stahlträger zeigt nicht Arbeiten am Empire State , sondern am Comcast Building und war gestellt für eine PR Aktion.


Kasparow ist Oppositioneller und sehr engagiert im Kampf gegen Putin und seinen Machtapparat. Karpow ist Abgeordneter für Putins Partei. Schließt ja nicht aus, dass Kasparow trotzdem auch merkwürdig Sachen glauben kann.

Als Fachidiot: Einmal sagt ihr statt Gebiet der USA oder USA „Nordamerika“ als es darum ging, dass es vor den Europäern da keine Städte gab (vermutlich einfach intuitiv um nicht immer das selbe Wort zu sagen) das ist dann aber so nicht mehr richtig. México liegt auch in Nordamerika und Tenochtitlán hat vor der Ankunft der Europäer je nach Schätzung zwischen 200k und 400k Einwohner, womit es entweder gleichauf mit oder größer als Paris zum gleichen Zeitpunkt und damit auch nach heutiger Definition noch groß genug für eine Stadt ist. Für die USA könnte man dann höchstens noch über Cahokia und die Mississippi-Kultur reden, da sind wir so bei 20k Einwohnern. Da wäre der Begriff „Stadt“ diskutabel aber die kennt, außerhalb der Blase, selbst in den USA niemand