Nur kurz aufs Handy schauen. Nachts. Im Bett. Und plötzlich ist es vier Uhr. Krieg, Krise, Gewalt, Eskalation, Warnungen: Man wischt weiter, obwohl es nicht guttut. Genau dafür gibt es inzwischen ein Wort: Doomscrolling. In dieser Folge geht es darum, warum schlechte Nachrichten unsere Aufmerksamkeit so zuverlässig kapern, was Plattformen daraus machen und weshalb sich dieser Kontrollverlust oft sogar noch vernünftig anfühlt. Es geht um Psychologie, Algorithmen, Pandemie-Folgen und die Frage, ab wann Informiertsein in Überforderung kippt. Oder kürzer: Warum der Wunsch nach Orientierung heute so leicht im digitalen Alarmraum endet.
Ali Hackalife ist dabei – und damit beginnt das Gespräch direkt an der richtigen Stelle. Eigentlich wollten wir etwas völlig anderes aufnehmen, stattdessen reden wir über das, was gerade da ist. Es geht um eine Augen-OP und die Frage, wie sehr unser Alltag vom Sehen bestimmt ist – und wie sich dieser Alltag verändert, wenn man keine Farben sehen kann. Daraus entstehen Gespräche über Orientierung, Missverständnisse im Alltag und die oft erstaunlich unbeholfenen Reaktionen anderer Menschen.
Wir sprechen über Krankenhauslogik, absurde Entscheidungen von Patienten, Service-Erlebnisse zwischen Warteschleife und Realität und darüber, wie wenig selbstverständlich viele Dinge sind, die wir für normal halten. Dazu kommt ein Blick auf Journalismus, Interviews, Vorbereitung und den Unterschied zwischen Anspruch und Praxis – inklusive Einblicken in Gespräche mit Politikern und der Frage, warum Nahbarkeit in der deutschen Politik unterschätzt wird.
Ein größerer Block dreht sich um Museen: Was passiert, wenn Ausstellungen anfangen, ihre Besucher erziehen zu wollen? Wann verlieren Objekte ihre Wirkung? Und warum funktionieren echte Dinge oft besser als jede noch so gut gemeinte Interaktivität? Von dort geht es weiter zu Frühmenschen, Mammuts und der Faszination für eine Zeit, über die wir fast nichts wissen – außer dass sie uns mehr geprägt hat als alles, was danach kam.
Und irgendwo dazwischen entsteht die Idee, nachts in einem Museum zu sitzen und einfach zu erzählen.
In dieser Folge:
– Leben mit Sehbehinderung: Alltag, Ampeln und Kommunikation
– Krankenhaus, OP und Entscheidungslogik von Patienten
– Journalismus: Vorbereitung, Interviews und Realität
– Politik: Gespräche, Zugänglichkeit und Perspektiven
Tartaria ist eine relativ neue Verschwörungserzählung aus dem Internet. Sie behauptet, ein technologisch überlegenes Weltreich sei im 19. Jahrhundert verschwunden – ausgelöscht durch eine „Schlammflut“ und anschließend aus der Geschichte getilgt. Im Gespräch geht es um Ursprung, Logik und Abgründe dieses Mythos.
Was ist die Tartaria-Verschwörung? Hinter Begriffen wie „Tartarian Empire“ oder „Mud Flood“ steckt eine pseudohistorische Theorie, die seit einigen Jahren vor allem auf YouTube und in sozialen Netzwerken verbreitet wird. Anhänger behaupten, bis ins 19. Jahrhundert habe ein technologisch hochentwickeltes Weltreich namens Tartaria existiert – dessen Geschichte später bewusst aus Archiven und Geschichtsbüchern gelöscht worden sei. Historiker sehen darin jedoch eine moderne Verschwörungserzählung, die aus missverstandenen alten Karten, Architektur-Mythen und pseudowissenschaftlichen Theorien entstanden ist.
In dieser Folge spreche ich mit Patrick Frajtag darüber, woher diese Idee kommt, warum sie sich im Internet so schnell verbreitet hat und welche ideologischen Motive teilweise dahinterstehen.
Themen der Folge
Was genau behauptet die Tartaria-Verschwörung?
Warum taucht „Tartary“ auf alten Karten auf?
Die Mud-Flood-Theorie: eine globale Schlammflut
Warum historische Stadtfotos oft menschenleer wirken
Architektur-Mythen über Gründerzeit, Jugendstil und Art déco
Warum im 19. Jahrhundert so schnell gebaut wurde
Woher die Theorie ursprünglich kommt
Verbindungen zu russischer Pseudogeschichte und Esoterik
Antisemitische und rassistische Narrative in Teilen der Szene
Warum solche Mythen im Internet so erfolgreich sind
Zuschauerhinweise:
Das ikonische Bild der Arbeiter auf dem Stahlträger zeigt nicht Arbeiten am Empire State , sondern am Comcast Building und war gestellt für eine PR Aktion.
Kasparow ist Oppositioneller und sehr engagiert im Kampf gegen Putin und seinen Machtapparat. Karpow ist Abgeordneter für Putins Partei. Schließt ja nicht aus, dass Kasparow trotzdem auch merkwürdig Sachen glauben kann.
Als Fachidiot: Einmal sagt ihr statt Gebiet der USA oder USA „Nordamerika“ als es darum ging, dass es vor den Europäern da keine Städte gab (vermutlich einfach intuitiv um nicht immer das selbe Wort zu sagen) das ist dann aber so nicht mehr richtig. México liegt auch in Nordamerika und Tenochtitlán hat vor der Ankunft der Europäer je nach Schätzung zwischen 200k und 400k Einwohner, womit es entweder gleichauf mit oder größer als Paris zum gleichen Zeitpunkt und damit auch nach heutiger Definition noch groß genug für eine Stadt ist. Für die USA könnte man dann höchstens noch über Cahokia und die Mississippi-Kultur reden, da sind wir so bei 20k Einwohnern. Da wäre der Begriff „Stadt“ diskutabel aber die kennt, außerhalb der Blase, selbst in den USA niemand
Zwei Weisheitsbücher, zwei verschiedene Arten, die Welt nicht schönzureden: Kohelet zieht Bilanz („alles Windhauch“) und beschreibt, wie wenig zuverlässig Leistung, Moral und Weisheit belohnt werden. Hiob ist das Drama: ein Gerechter verliert alles, Freunde liefern Erklärungen, Hiob weigert sich, Leid wegzureden, und fordert Gott heraus. Zentral ist die Gottesrede („Wo warst du, als ich die Erde gründete?“): keine Erklärung, aber eine Zumutung an jede einfache Rechnung von Schuld und Strafe. Zum Schluss der kulturelle Nachhall bis zu Goethes Faust (Vorspiel im Himmel) sowie ein Blick auf Engel- und Satanbild im Alten Testament im Vergleich zum Neuen.
Das Psalmenbuch ist kein Roman, sondern eine Sammlung von 150 Gebrauchs-Texten: Klage, Dank, Lob, Weisheit, Königspsalmen – und auch harte Rachepsalmen. In der Folge geht es darum, warum Psalmen eher Sprache für Zustände liefern als Lösungen: Angst, Wut, Hoffnung, Müdigkeit, Trotz. Dazu der historische Rahmen (Monarchie, Exil, Tempelverlust) und warum gerade das Exil viele Töne im Psalter schärft. Am Ende zwei Vergleiche: Klagepsalmen neben Hiob (liturgische Form vs. literarisches Streitgespräch) und Rachepsalmen neben mittelalterlichen Schadens- und Schutzritualen (Kontrolle durch Magie vs. Gewalt sprachlich an Gott delegieren).
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